Holon-Institut

c/o Barbara u. Gunter Hamburger

Stockacher Str. 29 · D-78579 Neuhausen o.E.

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Ehrenamtliche-Beratungsstelle

Flucht und Migration

Ehrenamtliche Beratungsstelle fuer gefluechtete Menschen

 

2015 wurde unsere freiwillige Arbeit mit gefluechteten Menschen immer intensiver. Zwischenzeitlich wohnten mehr als 300 gefluechtete Menschen im Gewerbepark bei unserem Dorf mit seinen rund 3.000 Einwohnern. Heute sind es immer noch um die 200 Personen.

Die Aufgaben ergaben sich aus der Dringlichkeit dessen, was ganz praktisch notwendig war. Immer wieder waren wir gefragt, wenn es um psycho-sozialen Fragestellungen ging. Eine Nachfrage beim Sozialministerium in Stuttgart ergab, dass es aufgrund unserer Professionen keine Hinderungsgruende gibt, eine freiwillige bzw. ehrenamtliche Beratungsstelle einzurichten. So gruendeten wir unsere ‚Ehrenamtliche Beratungsstelle für gefluechtete Menschen‘.

Die Gemeinschaftsunterkunft (GU) in Neuhausen o.E. ist die groesste im Landkreis Tuttlingen. Bei uns wohnen u.a. Menschen aus Syrien, dem Irak und Iran, aus Afghanistan, Pakistan und aus verschiedenen Laendern des afrikanischen Kontinents - aus Kamerun, Eritrea, Nigeria, vor allem jedoch aus Gambia. Unsere englischen Sprachkenntnisse sind hier eine grosse Hilfe.

Gemeinsam mit gefluechteten Menschen gab es mehrere Initiativen - zwei Fussballmannschaften, eine ‚Schneeschipphilfe‘ fuer alte und behinderte Menschen im Dorf durch junge Maenner aus Gambia, Gespraechskreise, Sprachunterricht, Aktionen fuer Kinder und Erwachsene, teilweise gemeinsam mit dem Freilichtmuseum, gemeinsame Feste und - bis heute - ein Café, ein woechentlicher Treffpunkt im alten Rathaus in Neuhausen. Daneben gibt es immer wieder einzelne individuelle Hilfen und Freizeitaktivitaeten durch die freiwillig engagierten Buergerinnen und Buerger.

Unser Hauptaugenmerk richtet sich jetzt nach rund drei Jahren Fluechtlingsarbeit auf Themen wie Arbeit, Ausbildung, Abschiebung, Klageverfahren vor Gericht, Suche nach Rechtsanwaelten, Gesundheit und vor allem Gespraeche aufgrund von sogenannten ‚posttraumatischen Belastungsstoerungen‘. Manchmal sitzen wir mit einem jungen Mann aus Gambia an unserem Esstisch, reden ueber sein Klageverfahren und ploetzlich und unvermittelt ‚bricht‘ es aus ihm heraus und er erzaehlt von den schrecklichen Erlebnissen in den Gefaengnissen seines Heimatlandes oder seiner Flucht. Die Klage wird dann in diesem Moment zweitrangig, im Vordergrund steht dann empathisches Zuhoeren, Da-Sein, Naehe und immer wieder die gemeinsame Suche nach Moeglichkeiten der Verarbeitung. Wenn dann aus seinem Klageverfahren deutlich wird, dass ihm einfach nicht geglaubt wird, ist es schwierig, oft unmoeglich, eine ‚professionelle Distanz‘ zu wahren - wir werden zu ‚Verbuendeten‘.

Zusammenarbeit mit Ämtern:

Viele der Initiativen und erste zarte Annäherungen zwischen Geflüchteten und Bewohnern des Dorfes wurden durch die ‚Umzugsmassnahmen‘ in andere Ortschaften zunichte gemacht, so z.B. die ‚Schneeschipphilfe‘. Eine Absprache mit uns Ehrenamtlichen über diese Umzüge fand im Vorwege nicht statt. So mussten wir uns manchmal 'auf die Suche' nach den Geflüchteten in anderen Ortschaften machen - und mussten dann feststellen, dass die Unterbringungen dort manchmal noch katastrophaler waren wie in unserer GU, ganz abgesehen von den neuen Strukturen für die Geflüchteten. Die Zusammenarbeit bzw. von uns so empfundene ‚Nicht-Kooperation‘, die uns immer wieder von Seiten der zustaendigen Behoerden entgegengebracht wurde, wird immer problematischer. Eine uns Ende 2016 zugesagte Absprache über 'Leitlinien für Anschlussunterbringungen' fand nie statt. Als Erwiderung hören wir heute, dass dafür ja die einzelnen Gemeinden und Städte zuständig sind und nicht der Landkreis. Für eine uns zugesagte gemeinsame Bearbeitung für einen Entwurf eines Integrationskonzeptes im März 2017 gab es nie ein Gesprächsangebot. Jetzt lesen wir, dass es einen Entwurf eines Konzeptes gibt, der dann auch noch mit Ehrenamtlichen diskutiert werden soll (nachdem er inzwischen fertig ist).

Wen wundert es da, wenn unter Ehrenamtlichen der Eindruck sich verstärkt, 'eigentlich sind wir nicht nur unbequem, sondern gar unerwünscht und am liebsten hätte man uns ganz weg! Wir machen ja nur Arbeit.' In der Folge haben sich viele der Ehrenamtlichen zurueckgezogen - frustriert, desillusioniert, enttaeuscht und oft auch wuetend.

Menschenrechte bleiben da oft auf der Strecke.

Wir machen weiter - was sollen wir auch sonst tun?

In unserem Newsletter finden sich immer wieder aktuelle Infos.

Vergleich auch auf dieser Homepage die Seite: http://www.holoninstitut.de/Menschen%20auf%20der%20Flucht.html

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