Holon-Institut

c/o Barbara u. Gunter Hamburger

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Allg. Systemtheorie

In englischer Sprache empfehlen wir: www.joannamacy.net

Die 12 Schritte des holonischen Wandels

aus: Joanna Macy, Molly Brown, "Für das Leben! Ohne Warum", Junfermann-Verlag 2017

1. Stimme dich auf eine gemeinsame Absicht ein. Diese Absicht ist weder ein Ziel noch ein Plan, der sich präzise in Worte fassen lässt. Sie ist vielmehr ergebnisoffen: Im Vordergrund stehen unsere gemeinsamen Bedürfnisse und neue Formen der Zusammenarbeit.

2. Heiße Vielfalt willkommen. Die Selbstorganisation des Ganzen erfordert die Verschiedenheit seiner Teile. Die Rolle, die jede Person auf dieser Reise ins Unbekannte spielt, ist einzigartig.

3. Sei dir bewusst, dass nur das Ganze sich selbst heilen kann. Du kannst die Welt nicht reparieren, sondern an ihrem Selbstheilungsprozess teilhaben. Die Heilung verwundeter Beziehungen in dir selbst und zwischen dir und anderen ist ein wesentlicher Bestandteil des gesamten Heilungsprozesses.

4. Lerne zu vertrauen. Vertrauen heißt teilnehmen und dabei Risiken eingehen, selbst dann, wenn du den Ausgang weder erleben wirst noch kontrollieren kannst. Denn du bist nur ein kleiner Teil eines weit größeren Prozesses, ähnlich einer Nerzenzelle in einem neuronalen Netz.

5. Öffne dich dem Fluss der Informationen aus dem größeren System. Lasse die schmerzhaften Informationen über die Bedingungen in unserer Welt, die du wahrnimmst, zu. Durch deine Verbundenheit mit der Welt und deine Bereitschaft, dich dem Schmerz zu stellen, kannst du ihn fühlen und verstehen. Dadurch werden blockierte Feedbackschleifen geöffnet. Für das Wohlbefinden des Ganzen ist dies wesentlich.

6. Teile den anderen mit, wie du die Welt unter den gegenwärtigen Bedingungen erlebst. Wenn die Reaktionen der anderen deinem Erleben entsprechen, kannst du davon ausgehen, dass sie ähnlich empfinden. Sei bereit, alte Wertvorstellungen und Rollenmuster loszulassen, damit du jene Fragen stellen kannst, die dich tief in deinem Innern bewegen.

7. Glaube niemandem, der sagt, er habe die absolute Wahrheit gefunden. Solche Behauptungen sind Zeichen von Ignoranz und Egoismus.

8. Arbeite vermehrt in Gruppen oder beteilige dich an Projekten, die gemeinsamen Zielen dienen. Durch gemeinsame Aufgaben und Rituale wird Gemeinschaft erzeugt.

9. Gehe mit deinen Kenntnissen und Stärken großzügig um – sie sind kein persönlicher Besitz. Sie wachsen, indem du sie teilst und sie beinhalten beides – dein Wissen und dein Nicht-Wissen sowie die Gaben deiner Vorfahren und aller Lebewesen.

10. Fördere die Stärken der anderen durch deine Wertschätzung. Beurteile niemals vorschnell, was jemand beitragen kann, sondern mache dich vielmehr auf Überraschungen und neue Synergieeffekte gefasst.

11. Die Ergebnisse deines Wirkens wirst du selten unmittelbar erfahren. Die Auswirkungen deines Handelns sind so unvorhersehbar und weitreichend, dass sie vermutlich deine Lebenszeit überdauern werden.

12. Gib der Gelassenheit und Freude bei all deinen Anstrengungen Raum. Du weißt, du wirst vom Netz des Lebens gehalten, einem Netz, das von Energie, Information und Intelligenz durchströmt wird und weit über das hinausreicht, was deine persönliche Individualität ausmacht.  

Wie kann es uns als Einzelne gelingen, dass der holonische Wandel zum Allgemeingut – Commons – wird und damit dem Wohle aller dient? Der o.g. Leitfaden wurde erstmals 1990 in Zusammenarbeit mit deutschen Kolleginnen und Kollegen formuliert. Er soll zu weiteren Reflexionen anregen.

 

In einem unveröffentlichten Aufsatz aus dem Jahre 1994 mit dem Titel „The Holonic Shift and how to take part in it (12 steps)“ beschreibt Joanna Macy den „Holonischen Wandel“ im Rahmen ihrer Vorlesungen in „Allgemeiner Systemtheorie“:

„All living systems – be they organic like a cell or human body, or supra organic like a society or ecosystem – are holons. That means they have a dual nature: they are both wholes in themselves and, simultaneously, integral parts of larger wholes. German Novelist Arthur Koestler coined the term holon from the Greek word for whole (hol, german: ganz, vollständig), plus the suffix on, meaning part.

Living phenomena, therefore, appear as systems within systems, fields within fields, like a set of Chinese boxes or Russian dolls. Each represents a level of organization provided by the interactions of systems at the previous level – as the interactions of atoms provide the organizational basis for molecules, and those of molecules for cells, and cells for organs and organisms, and organisms for communities, and so forth. Life is organized into nested hierarchies. Since they are not characterized with the term hierarchy, some theorists prefer to say “holonarchy”.

In this step-wise organization of living systems, emergence is a universal and striking feature. At each holonic level new properties and new possibilities emerge, which could not have been predicted. From the respective qualities of oxygen and hydrogen, for example, you would never guess the properties that emerge when they interact to make water. Or take steel: the synergistic strength or iron and nickel together, as they combine, far exceeds the strength of one added to the strength of the other.

Given the accelerating dangers that face us, it seems that such a holonic shift is necessary for survival. Since Earth’s carrying capacity is limited, and since the ecosystems supporting us are threatened with collapse, we must learn to think together now in an integrated, synergistic fashion, rather than in the old fragmented and competitive ways. We need a quantum leap in our ability to share and respond collaboratively. And our present modes of collective decision-making, even such fine inventions as the ballot box, appear to be too slow and too corruptible for the immediate, responsive self-guidance, that is now required.

Is such a collective purpose arising now, in which we find common identity as a planet people? Do we detect it in our own hopes and strivings, and in those around us? Surely each day brings news of increasing conflict and violence, and my own country exhibits a culture of accelerating greed and aggression. And yet … there are remarkable unfoldings not featured in the media: grassroots initiatives where ordinary citizens risk their comfort, jobs, and even their lives for the sake of a just, sustainable world. They are clearly motivated by a larger self-interest than their own individual needs and wants. The deep ecology work I conduct in many countries – group work where people from all walks of life express their deepest truths and longings – reveals to me a remarkable shift, a leap of motivation from personal advantage to collective well-being and survival.

Whether or not we choose to argue it in terms of general systems theory, the holonic shift can serve as a metaphor for our collective purpose – and for our emerging sense of identity as a planet people – which arises now to organize our individual responses and choices.”


Grundsätze der Tiefenökologie

 - Plattform für das holon-training -
Jedes Leben und jedes das Leben unterstützende System hat einen Wert in sich.
Die Vielfalt und Komplexität von Lebensformen und Kulturen tragen zum Wohl allen Lebens bei und besitzen deshalb einen Wert in sich.
Die Menschheit ist Teil der Natur. Aufgrund unserer Fähigkeit, Leben zerstören zu können, ist unsere Verantwortung gegenüber der Natur größer als jene von anderen Spezies.
Für viele Lebensformen und die das Leben unterstützenden Systeme ist die gegenwärtige menschliche Einmischung in die nicht-menschliche Welt schädlich. Diese Situation verstärkt und beschleunigt sich zusehends.
Die Schlüsselelemente dieser Einmischung, deren Veränderung essentiell notwendig ist, sind die zerstörerischen Muster aufgrund von Produktionsbedingungen, Konsumverhalten und Bevölkerungswachstum.
Um diese Einmischung aufzuhalten bedarf es einer fundamentalen Veränderung der ideologischen, politischen, ökonomischen und technologischen Absichten und Strukturen.
Dies erfordert die Ausrichtung in bezug auf höhere Lebensqualität, anstatt auf höheren Lebensstandard, wobei allen Menschen Zugang zu den grundlegenden materiellen Erfordernissen zu gewährleisten ist.
Alle, welche die vorgenannten Punkte akzeptieren, verpflichten sich an der Umsetzung der notwendigen Veränderungen mitzuwirken.
(Anmerkung: Jedes System, das für meine/deine/unsere „Zukunftsbeständigkeit“ erforderlich ist, ist ein „Leben unterstützendes System“, z.B. die eigene Familie, ein Freundeskreis, eine Pflanze, Tier, ein Ökosystem....)

 Gunter Hamburger, Juni 1998

(adaptiert für das holon-training der GaTö von „Deep Ecology“ von Bill Devall und George Sessions und „A Platform of Deep Ecology“ von David Rothenberg.)

 

Synergie, Kraft, Macht mit... (Rohfassung v. G. Hamburger)

Wie unser Schmerz um die Welt so entsteht auch unsere Kraft aus unserer gegenseitigen Verbundenheit. Vor allem unsere schöpferische Kraft (Schöpfungsreichtum), der/die in und durch offene Systeme wirkt ist sehr unterschiedlich zu den herkömmlichen Vorstellungen von Kraft und Macht.

Kraft/Macht über:
altes Konzept......Macht als Eigentum, persönlicher Besitz über..... Dominanz..... lineare Ursächlichkeit.....
aus systemischer Sicht ist diese Vorstellung von Kraft/Macht falsch und dysfunktional.

Kraft/Macht mit: (Synergie)
Lebende Systeme entwickeln sich durch Vielfalt, Elastizität, Flexibilität und Intelligenz. Sie tun dies nicht, indem sie Verteidigungsmauern bilden und sich von ihrer Umwelt abkapseln, sondern durch Öffnung für den Durchfluß von Energie-Materie und Information.
Sie integrieren und differenzieren sich durch ständigen Austausch, durch das Spinnen von mehr und mehr komplexen Verbindungen und flexiblen Strategien. Dabei hilft nicht Unverletztlichkeit, sondern immer tiefergehende komplexere Antworten zu finden. Dies ist die Richtung, die die Evolution seit Mrd. von Jahren nimmt. Wenn die Lebensformen sich komplexer und intelligenter entfalten, werfen sie ihre Panzer, Rüstungen ab, werden feinfühliger, empfindsamer und bekommen feinere und verletzlichere „Auswüchse“ oder Glieder - wie unsere menschlichen Lippen, Zungen, Ohren, Augäpfel, Nasen, Fingerspitzen - je besser sie fühlen und agieren können, desto mehr verbinden sie sich im Netz des Lebens, desto besser können sie es weiterweben.

Wir mögen uns wundern, weshalb Macht oder Kraft als Dominanz überall um uns herum bis hinein in unsere Regierungs- und Machtzentralen so effektiv zu sein scheint. Viele die in herkömmlichen Vorstellungen von Macht denken, bekommen was sie wollen - Geld, Ruhm, Kontrolle über andere Leben. Ja das ist richtig! Aber immer auf Kosten des größeren Systems und immer auf Kosen ihres eigenen Wohlbefindens innerhalb dieses größeren Systems! Um diese Folgen zu überdecken, zu übertünchen, muß dieses größere System als etwas das erhaltenswert, ja lebensnotwendig ist, verdrängt werden (dies ist eine der bedeutendsten Eigenschaften in der IWG - Industr. Wachstumsgesellschaft).
Für unsere sozialen Systeme ist „Macht über...“ deshalb dysfunktional, weil es Vielfalt und Rückkopplung verhindert; weil es selbstorganisierende Prozesse blockiert und damit Entropie fördert - systematische Auflösung.
Für den Machthaber selber ist es wie wenn er eine Rüstung umhätte - sie behindert ihn beim räumlichen Sehen und in der Bewegungsfreiheit. Diese Beschränktheit im Hinblick auf Achtsamkeit und Manövrierbarkeit beschneidet in in bezug auf größere und freiere Teilhabe am Leben. Er hat sehr viel weniger Optionen als Antwort.

Kraft/Macht und feedback (Rückkopplung):
„Macht mit...“ oder Synergie kann nun nie das Eigenum eines Einzelnen meinen, sondern ist immer ein Prozeß, an dem der Einzelne teilhaben kann. Kraft ist eine Art Transaktion (eine Verrichtung, ein Geschäft). Stell dir ein Neuron im Neuronengewebe deines Körpers vor. Wenn es - hypothetisch gesprochen - sich entscheiden könnte, daß seine Kraft/Macht sein persönlicher Besitz sei und es diese konservieren oder vor anderen Nervenzellen schützen müßte und sich demzufolge hinter Verteidigungsmauern verberbergen und isolieren würde, dann würde es unweigerlich verkümmern und absterben. Seine Gesundheit und seine Kraft/Macht liegt gerade in seiner Offenheit für den Austausch, im Durchfluß von Signalen jeglicher Art. Nur so kann das größere System, wovon es ein Teil ist, empfänglich werden, denken und lernen.
„Etwas in meinem Innern hat sich bis zu jenem Ort ausgedehnt, an dem die Welt atmet.“ (Kabir)

Der Staatskörper - so Karl Deutsch - ist wie ein neuronales Netz. So wie der Geist ist die Gesellschaft ein kybernetisches System, das nur gut funktioniert, wenn die Informationen ungehindert fließen können. Auf diese Weise arbeiten unsere Geistkörper. Wenn du deine Hand auf eine heiße Herdplatte legst, wirst du sie sofort wieder wegziehen, weil das feedback dir vermittelt, daß deine Finger verbrennen. Du wußtest das nicht, bevor du nicht die entsprechende Antwort deines Körpers gekannt hast.
Selbstverwaltung verlangt die freie Zirkulation von Informationen, die zur öffentliche Entscheidungsbildung notwendig sind. In der gegenwärtigen Situation aber, gekennzeichnet durch überdimensioniertes Wachstum in den wachstumsorientierten Industriegesellschaften, unterdrücken selbst die sich demokratisch nennenden Regierungen unwillkommene Informationen,die ihren gemeinsamen Interessen entgegenstehen. Täglich können wir den Hochglanzbroschüren entnehmen, wie sogenannte Wissenschaftsausschüsse Entdeckungen „amtlicherseits“ zurückweisen oder Berichte zensieren. Wir haben uns an die Desinformationen und Täuschungen über die stattliche Reihe von Gefahren gewöhnt, über den Zusammenhang von Krebs und anderen Krankheiten aufgrund erhöhter Radioaktivität, über Nahrungsmittelzusätze und Haushaltsprodukte usw. Wir hören aber wenig über Folgen und Ursachen der Ozonschichtvernichtung und dem Treibhauseffekt, auch jetzt nicht, wo in rekordverdächtigem Tempo Überschwemmungen und Tornados zunehmen und globale Nahrungsmittelreserven in atemberaubender Schnelligkeit schwinden. Diese institutionalisierte Geheimnistuerei ist dann verständlich, wenn im Sinne von „Schutz partikularer Interessen“ geredet wird. Aber der Preis dafür ist sehr hoch. Jedes System, das diese Rückkopplung ständig unterdrückt, sein Wahrnehumgsvermögen vor den Ergebnissen seiner Glaubens- und Handlungsgrundsätze verschließt, ist suizidal!

Kraft/Macht in Enthüllung und Verweigerung:
So wie uns das Konzept von „Macht mit...“ auffordert, Empathie zu entwickeln, so ruft es uns auch zu Wachsamkeit und Bestimmtheit hinsichtlich der Verantwortlichkeiten auf, die das selbstorganisierende größere System benötigt. Es ist unsere folgerichtige Verantwortung, unserem „Staatskörper“ jenes feedback zu geben, vor dem sie sich scheuen und die unterdrückten feedback-Kreisläufe offenzulegen. Dies ist von essentieller Wichtigkeit für den Großen Wandel von einer IWG zu einem ZLS (zukunftsbeständigem Lebenssystem). Viele der „unbesungenen“ Helden sind Frauen und Männer, die oft erhebliche persönliche Risiken in Kauf nehmen, um die der Öffentlichkeit vorenthaltenen Informationen auszugraben und zu enthüllen.
Unsere gegenseitige Verbundenheit und Abhängigkeit im Netz des Lebens bedeutet eben nicht, daß wir zerstörerische Glaubensmuster tolerieren sollen. Vielmehr bedeutet dies, daß wir uns einmischen sollen, wenn unsere kollektive Gesundheit und unser kollektives Überleben gefährdet sind. Dies kann in der Unterstützung beim Einbringen von Gesetzen liegen oder auch in der Einmischung bei direkten gewaltlosen Aktionen, um jenen die Autorität zu nehmen, die damit Mißbrauch betreiben. Es ist kein Kampf um sich selber Macht anzueignen, sondern eher sie loszulassen für die Verwirklichung von Selbstverwaltung. Wenn wir also handeln, dann nicht nur für uns selbst, unsere eigene Gruppe oder Partei,sondern im Auftrag all der anderen „Neuronen“ im Netz. Und nur so erlangen wir die Unterstützung der Vielzahl von Fähigkeiten, die das Netzwerk bereithält - unsere Unterschiedlichkeiten und unsere Vielfalt.
Im Auftrag des größeren Systems für das Gemeinwohl zu handeln, ist befremdlich für die Machthaber und die Mehrheit in den IWG. Konzerne, gekennzeichnet durch ihre wirtschaftliche Struktur, müssen ihre eigenen kurzfristigen Profite maximieren ohne Rücksicht auf deren Auswirkungen. Innerhalb dieses sich verstärkenden Konkurrenzsystems, nehmen die Individuen oder Subjekte ihre Eigeninteressen als im Konflikt zu anderen stehend war. Viele sind so tief in dieser Sichtweise gefangen, daß sie annehmen, Aktivisten „der anderen Seite“ müßten aus ähnlichen Motivationen handeln. Sie bezeichnen sie deshalb als „spezielle Interessengruppen“. Sie können sich nicht vorstellen, daß Handeln im Auftrag des Gemeinwohls sich überschneidenden Zwecken dient: Es sorgt für das nötige feedback des Systems, indem es dazu zwingt, den Herausforderungen ins Angesicht zu schauen und es transformiert die Prämissen, die für das System bisher gültig waren. Es hilft, die Normen zu verändern, von individuellem konkurrenzbezogenem Selbstinteresse hin zu einem kollektiven systemischen Selbstinteresse.

Synergie und Gnade:
Wenn wir gemeinsame Sache im Auftrag der Erdengemeinschaft machen, öffnen wir uns nicht nur dem, was das System braucht, sondern auch seinen Fähigkeiten und Geschenken. Es ist gut, daß „Macht mit...“ kein persönliches Eigentum ist, denn - ganz freimütig gesagt - niemand von uns besitzt all den Mut und die Intelligenz, die Kraft und die Ausdauer, welche der Große Wandel erfordert. Und niemand von uns muß sie besitzen (!) oder sie aus einem privaten Einkaufsladen herausfischen. Alle Ressourcen, die wir benötigen, entstehen aus unseren Interaktionen, wenn wir uns der gemeinsamen Absicht unseres gemeinsamen Schicksals anvertrauen.
Dies ist die eigentliche Bedeutung von Synergie, die erste Eigenschaft von lebendigen Systemen. Wenn Teile sich in einem selbstorganisierenden Prozeß zu einem größeren Ganzen zusammenfinden, tauchen neue Eigenschaften auf, die niemand vorher vorhersagen kann, weil es sie bisher nicht gab und auch von einzelnen Teilen nicht besessen wurden. Das Zusammenwinden von neuen Verbindungen schafft neue Antworten und neue Möglichkeiten im „Tanz des Lebens“. Wenn jemand in diesem Prozeß sich gestützt fühlt, dann wird er gestützt durch Ströme von Kraft, die viel größer sind, als die eigenen persönlichen Kraftreserven.

Dieses Phänomen ist ähnlich dem religiösen Konzept der Gnade, aber unterschiedlich vom traditionellen Verständnis des Wortes, weil es nicht eines bestimmten Glaubenssystems an einen Gott oder Gottheiten bedarf. Egal ob wir im Garten arbeiten oder in der Küche eine Suppe kochen manchmal haben wir das Gefühl, daß wir von jemand dabei unterstützt werden, von etwas, das weit über unsere individuelle Kraft hinausgeht, ein Gefühl von „etwas handelt durch mich“. Diese Ermutigung scheint oft von jenen zu kommen um deretwillen wir agieren. In den letzten ungeschützten Regenwäldern an der Westküste der USA trotzten junge Männer dem kalten Winterwetter wie auch der Polizeigewalt als sie hoch in den Bäumen saßen um die illegale Abholzung zu verhindern. Ihre Tapferkeit und Ausdauer sei nicht aus ihrem persönlichen Eigentum heraus entstanden, sagten sie, sondern sei ein Geschenk jener größeren Lebewesen, die sie zu retten versuchten: „Sie wissen, daß wir hier sind; sie geben uns Kraft.“

Diese Art von Ermutigung ist vielen bekannt, die für ihre eigenen bedrohten Gemeinschaften arbeiten, für entfernte Bauern sich solidarisieren, die von ihrem Land und ihren Lebensgrundlagen getrennt wurden oder für in Ausbeutungsbetrieben oder Bordellen gefangene Kinder. Alle die ihr Leben riskieren um Meeressäuger zu schützen, die ihre Jobs riskieren, indem sie zum Steuerboykott aufrufen, damit keine Waffen dafür beschafft werden können, alle die ihre Jobs riskieren, indem sie ihre Finger an die Kehle von Korruption und Betrug legen - sie alle sind förderlich für die gewaltigen Lebenskräfte, die dabei freigesetzt werden. Diese Menschen, deren Anzahl unzählbar ist, zeigen uns, was möglich ist, wenn wir die alten Hierarchien von Macht und Kraft durchbrechen. Gnade entsteht, wenn wir mit anderen zusammen im Auftrag unserer Welt handeln!