Fragmente (von Gunter Hamburger):
Holismus - Dieser Begriff tauchte zum ersten Mal in den 20er Jahren
d. Jhd. durch den Südafrikaner Jan Smuts auf in seinem Buch "Die holonistische
Welt" als Reaktion auf den Reduktionismus (Darwin vs. Behaviorismus).
Setzte sich nicht durch.
Reduktionismus und Holismus: Sind beides ungenügende Denkmodelle
zur Diagnose der Situation der Menschen. Dies belegen zB die Erkenntnisse der
Relativitäts- und Quantentheorie.
Beziehungen: Diese Theorien führten zu einem 3. Ansatz oder
einer Synthese, der/die ausgeht von den Problemen der Beziehungen zwischen dem
Ganzen und seinen Teilen.
Hiernach ist jeder Organismus, zB der menschliche Körper eine Ganzheit
und besteht aus sogenannten
* Sub-Ganzheiten (Blutkreislauf, Verdauungssystem...)
* diese wiederum aus Sub-Ganheiten (Zellen, Organellen...)
* "
" "
" "
" "
(Moleküle, Atome...)
auf einer jeweils "niedrigeren" Ebene.
Hierarchie: Es ergibt sich eine vielstufige, geschichtete oder geschachtelte
Hierarchie von Sub-Ganzheiten und jedes Teil dieser Hierarchie ist auch ein
selbständiges Ganzes, ein holon! Modell nach A. Koestler:
> Organismus
> Organsysteme (Blut, Verdauung)
> Organe
> Gewebe
> Zellen
> Organellen (Ribosomen, Mitochondrien)
> Moleküle, Atome
> subatomare Partikel
Jedes Teil (als Ganzes) besitzt eine stabile, integrierte Struktur (eingebauter
Code v. Regeln, Gesetzen...) - ist also autonom und selbstregulierend; auf höherer
Ebene der Hierarchie: Ist diesesTeil, "Teil" eines größeren
Ganzen - ist also abhängig, besitzt eine integrative Tendenz.
Um von Wörtern wie Sub-Ganzheiten oder Sub-Teilheiten wegzukommen,
schlug A. Koestler den Begriff > Holon < vor, abgeleitet
von
griech. holos = ganz
und dem Suffix "on" = Teil- oder Partikelcharakter (zB Proton)
Holarchie: Er führte auch diesen Begriff ein, um von dem negativ
besetzten Wort
Hierarchie, im Sinne autoritärer oder repressiver Systeme wegzukommen.
Grundprinzip der lebenden Natur: Die geschachtelte Hierarchie/Holarchie,
so die Systemwissenschaftler, ist ein Grundprinzip der lebendigen Natur und
alle komplexen Systeme weisen diese hierarchische Ordnung auf, egal ob
soziale Systeme oder Galaxien.
Janus-Kopf: A.K. vergleicht diesen immanenten Charakter des
holons mit dem doppelköpfigen römischen Gott der Türschwelle
Janus, wo ein Teil nach innen, der andere nach außen schaut.
Nach innen schaut "das Ganze", die Einzigartigkeit, nach außen "der Teil",
das Subsystem:
Der nach außen schauende Teil nimmt sich auch nur als Teil wahr, der nach
innen schauende als Ganzes, als etwas Einzigartiges. Diese Charakteristik ist
allen Systemen immanent.
Beide Aspekte nutzend - daraus kann Neues entstehen - Emergenz, wobei
Voraussetzung ist, daß Homöostase (Gleichgewicht), nicht Harmonie
(!) herrscht.
Beispiel:
Die Mitochondrien im menschlichen Körper sind die Miniaturkraftwerke, die
mittels einer ca. 50-gliedrigen Kette chemeischer Reaktionen Energie aus Nährstoffen
beziehen. 1 Zelle hat bis zu 5.000 solcher Kraftwerke! D.h. die Quantität
(Vielzahl) der Teile ist umso größer, je niedriger die Ebene der
Holarchie ist.
Merkmale von Holarchien:
1) Holons (Janus) = selbstregulierende, autonome Einheiten
= abhängige Teile
oder in der Sprache der Systemwissenschaft:
= Selbstbehauptungsteil (Ich)
= Integration (Ökosensitivität)
2) Kodex oder Kanon = Jede Stufe der Holarchie wird von festen Regeln oder Normen
und einer struktruellen Gestalt bestimmt, die für den Zusammenhalt und
die Stabilität verantwortlich sind. (Verhaltenskodizes, Traditionen, Gewohnheiten,
Glaubenssätze....
zB Entwicklung der Embryos nach einem genet. Code.