Tiefenökologie oder: The work that Reconnects

Zum Begriff "Tiefenökologie" oder "Tiefe Ökologie":

 Der Begriff wurde von dem norwegischen Philosophen und Umweltaktivisten Arne Naess in den 60er Jahren geprägt. Ihm ging es um eine Unterscheidung zu einem - wie er es nannte - "bloß oberflächlichen Umweltschutz", der zugunsten von Menschen Umweltschäden repariert oder vermeidet und bezeichnete dieses als "anthropozentrischen Chauvinismus". Dagegen setzte er mit dem Begriff der Tiefenökologie ein alle Lebewesen umfassendes Denken, das die wechselseitige Bedingtheit allen Lebens anerkennt und sein Handeln danach ausrichtet. In diesem Zusammenhang spricht er davon, dass wir Therapien erfinden und entwickeln müssen, die unsere Beziehungen mit der größten Gemeinschaft, der aller lebenden Wesen, heilen.

 Tiefenökologie, so Naess, heißt tiefergehende Fragen zu stellen: Welche Gesellschaft, welche Erziehung, welche Form von Institution, Organisation und Religion dient allem Leben auf dem Planeten als Ganzem?

 Joanna Macy entwickelte Ende der 70er Jahre mit ihrer "Despair and Empowerment Work" (Von der Verzweiflung zur Ermutigung - Friedensarbeit im Atomzeitalter - beschrieben in dem Buch "Mut in der Bedrohung") eine Seminarform, die jener "Therapie" wie Arne Naess sie bezeichnete ihre praktische Ausprägung gibt. Ihr neuestes Buch in deutscher Sprache hat den Titel "Die Reise ins lebendige Leben" - "Coming Back To Life - The Work That Reconnects". John Seed, der australische Regenwaldaktivist ergänzt die "Therapie” durch seine konkreten Erfahrungen im Kampf gegen die Vernichtung der Regenwälder. Das holon-training ist die "deutsche Ausgabe" jener Arbeit - oder "Therapie" um im Sprachgebrauch zu bleiben.

 Der wissenschaftliche Kerngedanke beruht auf den Erkenntnissen der Allgemeinen Systemtheorie, u.a. der Selbstorganisation in Systemen, der Gaia-Theorie, wonach die Erde ein lebendiger Organismus ist, der Evolutionstheorie sowie der Theorie der morphogenetischen Felder, wonach die Natur selbst ein Gedächtnis besitzt.

 Ökologie (von griech. "oikos" = Haus) beschreibt die "Häuser" in denen wir leben (Erde, Land, Region, Familie, Partnerschaften...) in seiner Vielfalt. Tiefenökologie konzentriert sich auf die Gestaltung der Beziehungen in diesen Häusern mit allen Lebewesen. Wir sprechen deshalb in Anlehnung an den Gestalttherapeuten Victor Chu bewusst von "zwischenkreatürlichen Beziehungen"- einem "In-Beziehung-Sein" mit allem Lebendigen.

 Der Begriff Tiefenökologie selbst wird in der Zwischenzeit auch zur Abgrenzung von anderen Formen der Ökologie benutzt (z.B. Sozialökologie, feministische Ökologie). Wir bedauern dies, weil es uns nicht um eine bestimmte Form der Ökologie geht, sondern um die Gestaltung von Beziehungen und Lebensprozessen in einem umfassenden Sinne, um einen Paradigmenwechsel - wie hier beschrieben.

 Schließlich und endlich geht es uns um eine "Wiederherstellung und Wiederverbindung" mit dem Natürlichen. Mit jenen Phänomenen des Lebens also, die als ein Ergebnis einer Milliarden Jahre langen Geschichte des Universums die Menschheit geschaffen haben. Vieles von dieser Natürlichkeit finden wir in den alten Geschichten, Erzählungen und Bräuchen der "First-Nations-People" unseres Planeten, der Philosophen des Altertums, der Mystiker des Mittelalters - und wir erinnern uns ihrer Erfahrungen und Weisheiten, die den Erkenntnissen der modernen Wissenschaften ziemlich genau entsprechen.

 Als Konsequenz hieraus versteht sich die tiefenökologische Bewegung als Teil einer internationalen Bewegung für soziale, ökologische und ökonomische Veränderungen hin zur Entwicklung friedlicher, zukunftsfähiger und nachhaltiger Systeme.